Nach der Hospitationsreise nach Litauen im vergangenen Jahr führte die diesjährige Europa-Tagung des Studienseminars Leer 42 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst und ihre Ausbilderinnen und Ausbilder nach Nizza. Von Montag bis heute stand dabei vor allem eines im Mittelpunkt: der unmittelbare Einblick in den französischen Schulalltag und der persönliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort.
Drei Tage lang hospitierten die Teilnehmenden in zwölf verschiedenen Schulen – von Collèges über Lycées bis hin zu privaten Bildungseinrichtungen in Nizza, Valbonne, Grasse, Sospel, Cagnes-sur-Mer, Antibes und Menton. Dabei ging es nicht nur um das Beobachten von Unterricht, sondern vor allem um das Verstehen eines anderen Bildungssystems im gelebten Alltag. Organisiert hatten die Reise auf deutscher Seite Melanie Rolfes und Stefan Ulrichs.

Besonders wertvoll erwies sich der direkte Austausch mit den französischen Lehrkräften und Schulleitungen. In Gesprächen vor und nach dem Unterricht konnten Fragen zu Unterrichtsgestaltung, Leistungsbewertung, Arbeitsbelastung und pädagogischen Konzepten vertieft werden. Viele Teilnehmende berichteten, dass gerade diese persönlichen Begegnungen neue Perspektiven eröffnet und zur Reflexion der eigenen Unterrichtspraxis angeregt haben.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark das französische Schulsystem durch klare Strukturen, zentrale Vorgaben, eine Fokussierung der Lehrkräfte auf ihre Kernaufgaben, konsequentes pädagogisches Eingreifen bei Fehlverhalten und Fernbleiben vom Unterricht und eine ausgeprägte Fachorientierung geprägt ist – Wahrnehmungen, die im direkten Vergleich besonders greifbar wurden.

Ergänzt wurden die schulischen Hospitationen durch institutionelle Gespräche. Beim Besuch des Rektorats in Nizza erhielten die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst detaillierte Einblicke in die Organisation des französischen Bildungssystems, in die Ausbildung von Lehrkräften sowie europäischen Initiativen. Diese Einordnung half dabei, die im Unterricht gewonnenen Eindrücke besser zu verstehen und in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Der Vergleich mit dem deutschen System führte zu intensiven Diskussionen über Chancen, Herausforderungen und mögliche Impulse für die eigene Ausbildung.

Auch über den schulischen Rahmen hinaus bot die Reise zahlreiche Lerngelegenheiten. Der Besuch des deutsch-französischen Kulturzentrums sowie kulturelle Erkundungen in Nizza machten deutlich, wie eng Bildung, Sprache und gesellschaftlicher Kontext miteinander verbunden sind.
Gerade diese Verbindung aus schulischer Praxis, institutionellem Austausch und kulturellem Erleben trug dazu bei, ein ganzheitliches Bild des französischen Bildungssystems zu gewinnen.

Ein besonderer Dank gilt Olivier Dargent und Nicolas Fournillier vom Rektorat in Nizza, deren organisatorische Unterstützung eine Hospitationsreise mit einer so großen Gruppe überhaupt erst ermöglicht hat. Ebenso bedankt sich die Reisegruppe herzlich bei Léonie Frank-Niro vom deutsch-französischen Kulturzentrum für die offene und anregende Gesprächsrunde dort sowie für die wertvolle Unterstützung bei der Organisation der Logistik vor Ort.
Zudem gilt ein herzlicher Dank allen Schulen und Lehrkräften, die ihren Unterricht für die deutschen Gäste geöffnet haben:
Die Hospitationsreise nach Nizza und Umgebung hat erneut gezeigt, wie gewinnbringend internationale Begegnungen für die Lehrkräfteausbildung sind. Die Erfahrungen dieser Woche stärken nicht nur die fachliche und pädagogische Kompetenz, sondern auch die europäische Perspektive der angehenden Lehrkräfte – ein wichtiger Baustein für zeitgemäße Bildung in einem zusammenwachsenden Europa. Finanziell wurde die Hospitationsreise gefördert durch das EU-Bildungsprogramm Erasmus+. (RED)