Seit 2009 befindet sich das Studienseminar im City-Haus in der Leeraner Innenstadt.
Seit 2009 befindet sich das Studienseminar im City-Haus in der Leeraner Innenstadt.

Studienseminar Leer

Bürgerm.-Ehrlenholtz-Str. 15

26789 Leer (Ostfriesland)

Tel. 0491-71730

Fax  0491-72031

E-Mail:

leitung@studienseminar-leer.de

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Zur internen Arbeitsplattform
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Vom Frisörsalon bis zur gymnasialen Sprinterklasse alles unter einem Dach

Einen Einblick in das niederländische Schulleben erhielten  20 Referendare des Studienseminars Leer auf ihrem heutigen Hospitationstag im Stellingwerfcollege in Oosterwolde. Unter einem Dach lernen hier Schüler, die Frisör werden wollen, ebenso wie solche, die eine Forscherkarriere anstreben.

„Schon irgendwie eine andere Welt“, sagt eine Referendarin, als sie an der Trockenhaube, dem Waschsessel und den Perücken vorbeigeht. Was aussieht wie ein kleiner Frisörsalon, ist ein gut ausgestatteter Lernort mitten in der weiterführenden Schule. Schülerinnen und Schüler, die nach der achtjährigen Grundschule einen berufspraktischen Weg einschlagen, bietet das Stellingwerfcollege ein breites Praxisangebot – mit einer Tischlerei, einer Pflegestation, einem Restaurant und einer Elektrowerkstatt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Grundschulübergang: "Einen Elternwillen gibt es hier nicht"

Die öffentliche Schule in Oosterwolde ist bestens ausgestattet - etwa im berufspraktischen Bereich wie hier. Bilder: Ulrichs
Die öffentliche Schule in Oosterwolde ist bestens ausgestattet - etwa im berufspraktischen Bereich wie hier. Bilder: Ulrichs

Die Schule umfasst alle gängigen niederländischen Schultypen unter einem Dach – von der berufspraktischen VMBO über die realschulähnliche HAVO bis hin zur gymnasialen VWO, erklärt Taco Hofland. Der VWO-Oberstufenleiter, seine Kollegin Reina Koostra und Deutschlehrer Ruud Plazier stellen den deutschen Gästen das niederländische Schulsystem und die Umsetzung am Stellingwerfcollege vor. Welcher Schüler welchen Zweig besuchen darf, hängt in erster Linie von den Grundschulnoten und der Einschätzung der Grundschullehrer ab. „Einen Elternwillen gibt es hier nicht“, unterstreicht Hofland. Allerdings bildet die Schule im ersten Schuljahrgang nach der Grundschule Mischklassen für die Schüler, die nicht eindeutig einem Niveau zugeordnet werden können. Für Schüler, die das Gymnasialniveau übertreffen, wurde eine VWOplus-Lerngruppe gegründet, eine Art gymnasiale Sprinterklasse.

Klassenarbeiten, Referate und Prüfungen bestimmen die Note

Den Fitnessbereich dürfen Schüler nach Absprache auch in ihrer Freizeit nutzen.
Den Fitnessbereich dürfen Schüler nach Absprache auch in ihrer Freizeit nutzen.

Der Schullrundgang zeigt, dass die öffentliche Schule bestens ausgestattet ist. Dank geschickter Kooperationen werden Räume der Musikschule vormittags für den Schulunterricht genutzt. Die Gemeindebibliothek ist angegliedert und hält auch Literatur für den Unterricht vor. Die Lehrkräfte werden auf vielerlei Weise unterstützt: Drei Mitarbeiter sind dafür zuständig, dass Computer, Beamer und Smartboards einwandfrei funktionieren. Assistenten helfen bei der Vorbereitung des naturwissenschaftlichen Unterrichts – etwa, wenn es um Experimente geht. Zusätzliches Personal beaufsichtigt und betreut Schüler in den Selbstlernzentren mit Computerarbeitsplätzen.

Nach dem Schulrundgang stehen für die Referendare aus Leer Hospitationen im Unterricht auf dem Programm. Dabei fällt auf, dass in dieser Schule – wie in vielen anderen in den Niederlanden – aufgabenorientiert gearbeitet wird und die Lehrkräfte von ihren Schülerinnen und Schülern vielfach als Coach wahrgenommen werden. Das liegt zum Teil daran, dass ausschließlich Leistungssituationen (schriftliche Arbeiten, Referate, mündliche Prüfungen) in die Note eingehen. Zensuren für die mündliche Mitarbeit im Unterricht selbst gibt es nicht, wie Ruud Plazier in der Abschlussrunde erklärt.

Urteil der Schulinspektion im Internet für alle sichtbar

Ruud Plazier (l.), Taco Hofland und Reina Koostra stellen das Schulsystem in den Niederlanden vor.
Ruud Plazier (l.), Taco Hofland und Reina Koostra stellen das Schulsystem in den Niederlanden vor.

Was die Unterrichtsmethoden angeht, so haben die Lehrkräfte und die Schule viel Freiheit. Allerdings: „Die Schülerleistungen müssen stimmen“, betont Taco Hofland. In regelmäßigen Schulinspektionen durch externe Kontrolleure wird geprüft, ob landesweite Qualitätsstandards gehalten werden. „Wenn nicht, ist das ein Problem, denn die Ergebnisse der Schulinspektion werden im Internet veröffentlicht“, so Hofland. Falls eine Schule Schwächen nicht behebt, kann sie sogar geschlossen werden.

 

Nach einem eindrucksvollen Besuchstag danken die Gäste aus Leer dem Stellingwerfcollege für die Gastfreundschaft, die Offenheit in den Gesprächsrunden und vor allem für die Möglichkeit, durch Hospitationen im Unterricht über den Tellerrand blicken zu können. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Schule und die einzelnen Lehrkräfte uns diese Möglichkeit bieten, dafür danken wir ganz herzlich“, so die Vertreter des Studienseminars Leer.

 

Der Hospitationstag in den Niederlanden wurde unter anderem ermöglicht durch Förderung der Nederlandse Taalunie. (UL)